Klage gegen Disney wegen Verstoßes gegen COPPA

Mickey Mouse auf Datenfang

Es ist nicht das erste Mal, dass Disney gegen Datenschutzrichtlinien verstößt. Nach einer erfolgreichen Klage der FTC wegen der unerlaubten Verarbeitung von Kinderdaten musste das Unternehmen bereits 2011 drei Millionen Dollar zahlen und nun könnte es wieder so weit sein: In den USA wurde Anfang August von Eltern betroffener Kinder eine Sammelklage beim nordkalifornischen US-Distriktgericht in San Francisco gegen Disney und den Spieleentwickler Unity Technologies eingereicht. Aber auch der Softwareentwickler Kochava und der Marketingdienstleister Upsight sind betroffen. 

Der Vorwurf: Die von den Beklagten vertriebenen Apps sammeln ohne das Einverständnis der Eltern die Nutzerdaten von Kindern. Verantwortlich für das Sammeln der Daten soll ein von Disney entwickeltes und in die Apps integriertes Software Development Kit (SDK) sein. Es identifiziert den Nutzer über eine ID, zeichnet Standortinformationen auf und analysiert das Nutzerverhalten. Besonders gravierend ist jedoch, dass die erhobenen Daten an Werbetreibende weitergeleitet und damit die Daten zum begehrten Produkt der Marketingbranche werden. Dabei unterliegen doch gerade Kinder aufgrund ihrer fehlenden Einsichtsfähigkeit einem besonderen Schutzinteresse, so die Anklage.

 

Disney angeklagt wegen Verstoß gegen Children’s Online Privacy Act (COPPA)

Funktionsweise der von Disney praktizierten Datenerhebung im Detail:

„The chain of events typically works as follows: an app developer installs an SDK in an app, which collects persistent identifiers, permitting the SDK entity to sell the childs persistent identifier to an advertising network or third-party data aggregator (who then further resells the data to additional partners). An Ad Network” will store the persistent identifiers on its servers. Later, other app or SDK developers sell that same childs persistent identifier to the Ad Network, bolstering the Ad Networks profile of the child, increasing the value of the childs data and, relatedly, the ability to serve a more highly-targeted ad to a specific device. Multiple Ad Networks or other third-parties can then buy and sell data, exchanging databases amongst themselves, creating an increasingly sophisticated and merchantable profile of how, when, and why a child uses her mobile device, along with all of the demographic and psychographic inferences that can be drawn therefrom.

Kläger sieht Verstoß gegen COPPA

Diese Art der Datenverarbeitung verstößt laut Kläger gegen den Children’s Online Privacy Act (COPPA). Das besondere an der Sache: Bisher erlaubte COPPA als Rechtsgrundlage der FTC oder dem Attorney General, die Durchsetzung der dort festgesetzten Vorgaben, neuerdings jedoch entpuppt sie sich als Rechtsgrundlage für private Ansprüche.

Die aktuelle Vorgehensweise der amerikanischen Gerichte zeigt die Tendenz auf, bei vorliegenden Verstößen gegen COPPA und möglichen Persönlichkeitsrechtsverletzungen, den Rechtsweg für Privatpersonen zu eröffnen. Die Klage der betroffenen Eltern stützt sich unter anderem auch darauf, dass durch die Verletzung der von COPPA bestimmten Grundsätze auch eine Verletzung der Privatsphäre der Nutzer vorliegt. Diese Persönlichkeitsverletzung muss vom Kläger vor Gericht allerdings erst ausreichend belegt werden.

An intrusion upon seclusion claim requires a plaintiff to show: (i) an intentional intrusion; (ii) upon the seclusion of another; that is highly offensive to a reasonable person.“ (Quelle)

Disney hingegen vertraut auf sein Compliance-Programm und quittiert die Klage als Fehlinterpretation der COPPA- Richtlinie.

Disney has a robust COPPA compliance program, and we maintain strict data collection and use policies for Disney apps created for children and families. The complaint is based on a fundamental misunderstanding of COPPA principles, and we look forward to defending this action in court.”

Ob es sich tatsächlich um ein großes Missverständnis handelt oder Disney bald wieder hohe Geldstrafen zu zahlen hat, wird sich zeigen. Amerikanische Unternehmen sind gut jedoch gut beraten, die COPPA-Leitlinien ernst zu nehmen und dem Datenmissbrauch vorzubeugen, indem sie entsprechende Vorkehrungen treffen.

Einen Kommentar schreiben

Tags

Kosmetik ISPs Gesichtserkennung Bestpreisklausel Direktmarketing Informationsfreiheit Asien Europawahl USA urheberrechtsschutz E-Mail-Marketing ReFa #emd15 Textilien Bildung ransom privacy shield Einverständnis online werbung c/o Vergütung Phishing Technologie Gesamtpreis Hotelsterne selbstanlageverfahren München messenger handel LMIV Rechtsanwaltsfachangestellte Flugzeug Impressumspflicht Hacking Check-in Vertragsrecht Geschmacksmuster Marke Hotellerie Customer Service Google Arbeitsvertrag SEA FashionID Fotografen Recap fake news Marketing Vergütungsmodelle Resort wallart EU-Textilkennzeichnungsverordnung Sitzverlegung Informationspflicht Linkhaftung Verbandsklage Jugendschutzfilter Presse Plattformregulierung Datenschutzgrundverordnung Niederlassungsfreiheit § 4 UWG Störerhaftung patent Lebensmittel Corporate Housekeeping Onlineplattform PPC Journalisten LG Hamburg Tipppfehlerdomain arbeitnehmer Influencer OLG Köln EC-Karten Werktitel 3 UWG Vergleichsportale Event Double-Opt-In verlinken Scam Privacy Persönlichkeitsrecht Bachblüten Booking.com Leaks Onlinevertrieb Meinungsfreiheit Analytics technik DSGVO Internet of Things Vertrauen Twitter Umtausch fotos Apps hate speech Einstellungsverbot IT-Sicherheit Compliance Wettbewerb Erdogan Urlaub veröffentlichung Kleinanlegerschutz Infosec data Urheberrechtsreform Reise Education Distribution Minijob entgeltgleichheit Ofcom E-Commerce transparenzregister Registered Ring Ferienwohnung gezielte Behinderung Behinderungswettbewerb Gesundheit BDSG Datenpanne Data Breach Insolvenz ecommerce Gesetz Google AdWords videoüberwachung Rückgaberecht Pressekodex Irreführung Data Protection Arbeitsunfall Urheberrecht Kündigung Boehmermann verbraucherstreitbeilegungsgesetz britain Dokumentationspflicht Schöpfungshöhe Bildrechte gesellschaftsrecht Kundendaten Annual Return Gepäck Mindestlohn Barcamp Messe Amazon Impressum brexit Filesharing Schadensfall data security drohnengesetz CNIL Gaming Disorder Abwerbeverbot Anmeldung Kunsturhebergesetz Team Onlineshop Datengeheimnis Berlin Erschöpfungsgrundsatz anwaltsserie ransomware whatsapp Geschäftsanschrift § 5 UWG Dark Pattern Rechtsprechung Restaurant Arbeitsrecht Datenportabilität zugangsvereitelung LG Köln Heilkunde Werbung Hinweispflichten Conversion New Work Expedia.com Anonymisierung Geschäftsgeheimnis PSD2 Suchmaschinenbetreiber Referendar Meldepflicht Datenschutzgesetz kündigungsschutz Sperrwirkung verlinkung Midijob Werbekennzeichnung Soziale Netzwerke

Die Rechtsanwaltssozietät Spirit Legal berät in- und ausländische Unternehmen mit internationaler Ausrichtung. Unser fachlicher Beratungsschwerpunkt liegt in den Bereichen E-Commerce, Gesellschafts-, Wettbewerbs-, Marken-, IT- und Datenschutzrecht. Dank unserer Branchenerfahrung sind wir in rechtlichen Fragen der spezialisierte Ansprechpartner für Start-ups, Reiseunternehmen und die Hotellerie.

© Spirit Legal 2013 - 2019, alle Rechte vorbehalten